„Die Klausurtagung von Zusammenleben der Kulturen e.V. vom 16.01.2015 stand unter dem Schock der Ereignisse des Anschlags auf die Redaktion von Charlie Hebdo mit den vielen Toten. Dies veranlasste uns in unser Jahresprogramm eine Diskussionsveranstaltung für die Mitglieder des Vereins und die MitarbeiterInnen in Projekten des Vereins mit aufzunehmen. Wir stellten uns die Frage, welche Bedeutung hat dieses Ereignis für uns in Dietzenbach. Müssen wir damit rechnen, dass dieser brutale Anschlag unser friedliches Zusammenleben mit den Muslimen in der Stadt negativ beeinflusst. Die Mitglieder trafen sich am 29.09.15 im Theater Schöne Aussichten für einen professionell moderierten
Gedankenaustausch zu diesem Thema. Zu Beginn stand die Frage nach unseren Erinnerungen, Gefühlen
und unseren ersten Reaktionen auf dieses Ereignis.
Die daran anschließende Diskussion drehte sich an diesem Abend dann um Statements wie:
Die Pressefreiheit und die Freiheit der Kunst in den europäischen Ländern ist ein Grundrecht
von hohem Wert, das absolut zu schützen ist.
Kunst muss auch provozieren dürfen – eine Zensur ist nur dann erlaubt, wenn zu Hass und
Gewalt aufgefordert wird.
Die Trennung von Staat und Religion/Kirche ist eine Voraussetzung für das friedliche Miteinander
verschiedener Religionen.
Es wurde aber auch hinterfragt, ob solche provozierenden Karikaturen über den Propheten Mohammed
notwendig sind.
Die religiösen Gefühle von Muslimen sollte man ebenso respektieren, wie die von Angehörigen anderer
Religionen. Dies ist wichtig, wenn man in Frieden miteinander leben will. Über religiöse Gefühle
von Menschen sollte man sich nicht lustig machen und ein bisschen Rücksicht nehmen.
Einige Karikaturen von Charlie Hebdo wurden von einigen Teilnehmenden auch als geschmacklos
empfunden, was allerdings in einer Demokratie ertragen werden muss. Unterschiedliche Meinungen
sind bei der Bewertung solcher Karikaturen nur natürlich.
Es wurde aber auch hinterfragt, ob unter dem Deckmantel einer islamkritischen Karikatur eine politische
Strategie verfolgt werden könnte mit dem Ziel, Muslime und die Religion überhaupt zu erniedrigen.
Wir waren uns einig darin dass alle Muslime, die an diesem Anschlag nicht beteiligt waren, von dieser
Tat sich nicht öffentlich distanzieren müssen. Es gibt keinen Grund, dass Muslime generell unter
Rechtfertigungsdruck gesetzt werden und als Terrorverdächtige im Generalverdacht stehen.
Die lebendige Diskussion der Vereinsmitglieder zu diesem Thema war ergebnisoffen – wichtig war für
uns, dass wir miteinander im Dialog bleiben und uns auch in Zukunft über kontroverse Themen austauschen.“
Diese Veranstaltungen wurde gefördert von der Kreisstadt Dietzenbach im Programm „Wir bewegen
uns“.